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Captain T

Ich habe Ihnen erzählt, dass Ihr Marketing eine Erweiterung Ihrer Kunst sein soll. Ich möchte Ihnen nun ein Beispiel aus der Realität geben:

1997, als „The X Files“ in den USA noch ausgestrahlt wurde, brachte ein Freund von mir, der sich „Captain T“ nannte, eine Platte mit dem Titel „US Aliens“ heraus, in der es nur um Verschwörungstheorien, Area 51, die Enttarnung von Außerirdischen und um den "Unglaublichen Hulk" ging. Das ganze war absichtlich lustig, aber er spielte seine Rolle ernsthaft und wich nicht von seiner Linie ab: ein Typ, der versucht, der Welt über die Musik die Augen zu öffnen über Außerirdische und Verschwörungen.

Er wollte sein Album an College-Radiosender schicken, konnte sich aber keinen echten Radio-Promoter leisten. Als wir beschlossen, das Ganze alleine zu machen, war ich kurz davor alles auf die normale Art und Weise anzugehen, doch dann dachte ich an meinen eigenen Ratschlag und beschloss, sein Marketing zu einer Erweiterung seiner Kunst, seines Images, seiner Botschaft zu machen.

(Und ich dachte auch an den jungen Kerl vom College-Radio, der pro Tag 20 CDs mit der Post kriegt, die alle gleich aussehen und in den gleichen langweiligen Umschlägen stecken. Ich wollte ihm eine richtige Freude machen!)

Also kauften wir 500 schwarze Umschläge, 500 Blatt hellbeiges Papier, 500 Alien-Aufkleber und — jetzt kommt das beste — 500 riesige Aufkleber, auf denen stand: „STRENG VERTRAULICH — AUF KEINEN FALL ÖFFNEN!“.

Wir machten eine Mailingaktion an 500 Programmdirektoren bei 500 College-Radiosendern; jeder erhielt ein personalisiertes Schreiben, in dem stand:


Sehr geehrter __Name__,

Sie kennen mich nicht, aber ich lebe im Gebüsch hinter Ihrem Sender.

Ich lebe jetzt seit 12 Jahren hier, und Ihr Sender hat schon viele Male mein Leben gerettet.

Die Musik, die Sie spielen, hat mich in den schwärzesten Tagen meines Lebens am Leben erhalten. Dafür bin ich Ihnen zu ewigem Dank verpflichtet.

Auf diesem Hintergrund muss ich Ihnen mitteilen, dass ein Mann namens Captain T mich gestern in der Gosse aufgelesen hat und mir die ganze Wahrheit über die Regierung und die Dinge, die da unten in der Area 51 tatsächlich geschehen sind, erzählt hat. Dieser Mann hat eine Botschaft, die Sie der Welt nicht vorenthalten dürfen, denn die Menschen müssen die WAHRHEIT erfahren!

Gezeichnet,
der Mann im Gebüsch, der in diesem Moment in Ihr Fenster sieht...


Wir gingen mit den Briefen in den Hinterhof und zogen sie buchstäblich durch den Dreck, zerknüllten sie komplett und zogen sie wieder ein bisschen glatt, steckten sie mit einer CD in einen schwarzen Umschlag, pappten den Alien-Aufkleber und den Riesenaufkleber mit den Worten „STRENG VERTRAULICH — AUF KEINEN FALL ÖFFNEN!“ drauf und verschickten sie an alle Radiosender.

Wir hatten stundenlang unseren Spaß!

Jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie wären der Typ beim Radio, der jeden Tag 20 CDs in normalen, langweiligen Umschlägen kriegt mit Begleitschreiben vom Typ „Bitte spielt meine Platte!“. Nun bringt die Post dieses eklige schwarze Päckchen, mit der Aufschrift „NICHT ÖFFNEN“, und wenn Sie es öffnen, finden Sie dieses verdreckte Blatt Papier und in der ersten Zeile lesen Sie: „Sie kennen mich nicht, aber ich lebe im Gebüsch hinter Ihrem Sender.“

375 Radiosender spielten die CD.

Hin und wieder meldet sich noch jemand, der 1997 bei einem College-Sender gearbeitet hat, bei meinem Freund Captain T. Er erzählt ihm dann, dass er sich noch immer daran erinnert, weil es das coolste Päckchen war, das er jemals gekriegt hat.

Captain T